Ortskern in Münster aufwerten, Verkehr bremsen · Höchster Kreisblatt

„Münster wäre auch mal wieder dran“, findet der Verein und stößt eine Umgestaltung an.

Münster. Eigentlich müsste es im Ortskern Münster idyllisch sein. Frei von Verkehr rund um die historischen Häuser. Doch die Realität sieht anders aus: Die Frankfurter Straße, früher die Haupt-Durchgangsstraße, ist in diesem Bereich längst eine wichtige Verkehrsachse geblieben, vor allem als Abkürzung in Richtung Hofheim. Die Umgehung auf der L 3016, für die es nur wenige Meter mehr sind, könnte sicher noch intensiver genutzt werden.

Dieser Ansicht ist auch die Bürgervereinigung Alt-Münster und will sich deshalb jetzt mit einem Großprojekt auf den Weg machen. Ihr Ziel ist es, den Ortskern attraktiver zu gestalten, den Verkehr deutlich zu minimieren und damit Vorreiter für weitere Sanierungsprojekte drumherum zu sein. Sie hat den Bereich zwischen der Hausnummer 133 (Abzweig von der L3016) bis zur Nummer 176 (Kreuzung Dieselstraße) im Visier. Diesen historischen Kern von Münster gelte es aufzuwerten, betonen Vorsitzender Peter Piesch, sein Stellvertreter Klaus Hochsattler sowie Mitglied und Stadtrat Heinz Kunz im Gespräch mit dem Kreisblatt.

Alte Idee neu beleben

Fast zeitgleich zur Presse hat das Trio die Fraktionen informiert, zuvor wurde Bürgermeister Albrecht Kündiger eingeweiht. Dessen Reaktion sei grundsätzlich positiv gewesen, wissen die Initiatoren. Ideen, den Ortskern anzugehen, habe es schon früher gegeben, sagt Piesch. Doch vor allem wegen hoher Kosten sei das immer wieder verworfen worden, ergänzt Hochsattler. Beim Dallesfest im Vorjahr standen die Protagonisten bei einem Glas Bier zusammen und philosophierten über einen neuen Anlauf.

Denn soll es nun geben. Kunz hat recherchiert, dass es viele Fördertöpfe gibt. Zum Beispiel das Programm „Aktive Kernbereiche in Hessen“ oder sogar Möglichkeiten der Europäischen Union. „Es soll der vielerorts beobachteten Verödung und zunehmenden Uniformierung von Innenkernbereichen entgegengewirkt werden“, betont die Bürgervereinigung. Der Verein hat einen genauen Plan: Für 2019 sollen Gelder in den Haushalt eingestellt werden. Gut 50 000 Euro könnte es im ersten Schritt kosten, ein Planungsbüro auch mit einer Visualisierung zu beauftragen.

Kreisel statt Ampel

Vorgaben wird es von der Bürgervereinigung dazu geben. Sie wollen die Frankfurter Straße zunächst baulich aufwerten. Nicht durch ein Kopfsteinpflaster, aber schon durch eine optisch ansprechende Aufpflasterung. Eine Spielstraße mit Schrittgeschwindigkeit für die Autos ist nicht das Ziel. Aber schon eine Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer mit Rücksichtnahme. So sollen die Schleichweg-Fahrer aus dem Quartier verbannt werden, zum Beispiel Busse aber weiterhin fahren können. Blumentröge und Bänke sind gewünscht und „zwingen zu gemächlicher Fahrt“, betont die Vereinigung. Gehwege müssen nicht mehr zwingend sein, vielleicht nur eine farbliche Abgrenzung. An der Kreuzung zur Dieselstraße stellt sich die BV einen Kreisel statt der Ampel vor.

Doch hinter dem Projekt soll mehr stecken. Kunz bezeichnet es als „Münster im Dialog“ und bezieht Themen wie freies Internet mit ein. „Ein charmanter und wertiger Ausbau des Ortskerns mit dem Ziel, Partner wie Eigentümer, Kunden, Gäste, Händler, Unternehmer, Organisationen zu gewinnen.“ Denn er hofft: Wenn die Stadt die öffentlichen Flächen aufwertet, ziehen Privatleute nach. Da die Straße hier ohnehin in keinen guten Zustand sei, wäre das ein weiteres gutes Argument. Das Trio ist überzeugt, dass Münster hier mitzieht, denn die Unzufriedenheit über den Durchgangsverkehr und die mitunter fehlende Attraktivität sei vorhanden. Schon vor Jahren wurden Forderungen laut, die obere Einfahrt von der L 3016 zu verändern.

„Münster wäre auch mal wieder dran“, findet Hochsattler. Gelder seien in andere Stadtteile geflossen, selbst für kleinere Projekte wie Arbeiten am Brunnen sei die BV meist aufgekommen. Auch am Alten Rathaus legt der Verein demnächst selbst Hand an. „Vielleicht haben wir nicht genug gebohrt, oder die Stadt macht die Augen zu“, überlegt Piesch. Das soll jetzt nicht mehr passieren, damit aus der Vision Wirklichkeit wird.

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